Artikel zum Download

  • Ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung. Ethikkommission für Physiotherapie
    Interview mit Stefan Hegenscheidt; physiopraxis, Juni 2013
    PDF herunterladen
    (Download zu privaten Zwecken mit freundlicher Genehmigung des Thieme Verlags)

  • Befragung zu sozialen Beziehungen von Physiotherapeuten
    Franziska Bittner; pt-Journal, März 2013
    PDF herunterladen

  • Clinical trial registration in physiotherapy journals: recommendations from the International Society of Physiotherapy Journal Editors 
    L.O.P. Costa et al., Journal of Physiotherapie 58: 211-213, 2012
    PDF (englisch) herunterladen
    Registrierung Klinischer Studien: Empfehlungen der Internationalen Gesellschaft der Herausgeber von Physiotherapie-Zeitschriften (übersetzt von Erwin Scherfer, Physio-Akademie gGmbH)
    PDF (deutsch) herunterladen

 

 

Dr. Erwin Scherfer u. Böhle Eckhardt. pt-Journal, Feb. 2013

Ein Diskussionsbeitrag zur Akademisierung der Physiotherapie in Deutschland

Warum ein Master auch ohne Bachelor „Bologna-konform“ sein und zur Promotion berechtigen kann und warum wir flexible Zugänge zu hochschulischen Bildungswegen brauchen.

I. Das Problem

Einer immer wieder geäußerten Auffassung zu Folge ist die Zulassung zu Masterstudiengängen ohne vorherigen Bachelorabschluss entweder nicht zulässig, nicht bologna-konform oder widerspricht dem Gebot einer gründlichen akademischen Ausbildung. In dieser absoluten Form ist diese Auffassung jedoch nicht korrekt. [...] In einer Welt des „life-long-learning“ ist die Lebenssituation heutiger Studierender häufig eine andere als in konventionellen Bildungswerdegängen. Beim Design von Studiengängen ist dies ebenso zu berücksichtigen wie die immer heterogener werdenden Vorerfahrungen, die die Studierenden aus formalen  Bildungsprozessen, aus Berufspraxis und aus Weiterbildungen mit in die Hochschulen bringen.  [mehr »»]

II. Warum ein Master auch ohne Bachelor "Bolognakonform" und zur Promotion berechtigt.

Warum ist die Aussage, „eine Zulassung zu einem Master-Studiengang ohne vorhergehenden Bachelor-Abschluss ist nicht bologna-konform“, nicht korrekt? Als Antwort auf diese Frage sei zunächst eine schriftliche Auskunft des ehemaligen Bologna-Sekretariats zitiert: „Das Rahmenmodell des Europäischen Hochschulraums (2) basiert auf drei Zyklen, wobei primär jeder Zyklus Zugang zum Arbeitsmarkt oder zum nächsten Zyklus bietet. Allerdings soll dieses Modell keine Zwangsjacke sein und es wird immer Ausnahmen zu diesem groben Muster geben. Solche Ausnahmen schließen integrierte Masterprogramme ein, für die kein vorheriger Bachelor-Abschluss erforderlich ist, wie zum Beispiel in Architektur oder den Ingenieurswissenschaften, oder, wie Sie in Ihrem Schreiben hervorhoben, bestimmte Zweige der Medizin“ (Hervorh. ES).  [mehr »»]

Wie stehen deutsche Institutionen mit Kompetenzen zur Leitlinienformulierung zu dieser Frage? 
[mehr »»]

Darf die/der Betreffende dann zur Promotion zugelassen werden? 
[mehr »»]

III. Warum wir felxible Zugänge zu hochschulischen Bildungswegen brauchen. 

Wie im Abschnitt zuvor bereits angedeutet, gibt es professionspolitisch mindestens zwei Argumente für eine Öffnung von Masterstudiengängen für Bewerber ohne Bachelor (insofern sie die Eignung hierfür mitbringen). Ein Argument ist, dass auf diese Weise sichergestellt werden kann, dass die Ausbildung genug Praxisbezüge behält, gerade wenn sie an die Hochschulen verlagert wird. Ein zweites Argument ist, dass auf diese Weise für den Professionalisierungsprozess wichtige Kompetenzen zügig an weitere Leitungs- und Schlüsselpositionen in die Physiotherapie gelangen. Wer soll in Zukunft die angehenden  Bachelor unterrichten? Schon jetzt wird konstatiert, dass es zunehmend schwieriger wird, geeignete Lehrende für die Studiengänge zu finden. Vergessen wir auch nicht, dass es international üblich ist, dass Lehrende an Universitäten in der Regel eine Stufe höher qualifiziert sind als die Stufe, zu deren Erreichung sie unterrichten (d.h.: Master unterrichten angehende Bachelor).  [mehr »»]

IV. Resümee 

All dies lässt die Zulassung zu Masterstudiengängen unter definierten Voraussetzungen auch ohne vorhergehenden Bachelorabschluss als eine zuträgliche und sinnvolle Strategie erscheinen, um die Professionalisierung voran zu bringen und um gleichzeitig interessierten engagierten Kolleginnen und Kollegen einen angemessenen Zugang zu neuen Bildungswegen zu erschließen. Das Bologna-Kopenhagen-System sowie der Europäische Qualifikationsrahmen sind pragmatische, zielorientierte Rahmenwerke. Es sind keine Sammlungen von Vorschriften oder Verordnungen. Die mit ihnen einhergehende Orientierung an Niveau- und Lernzielbeschreibungen ist gerade vor einem deutschen  Bildungshintergrund immer noch neu und gewöhnungsbedürftig. Sie führt aber logischerweise auch zu einer größeren Offenheit hinsichtlich der Zulassung zu Masterstudiengängen, weil durch sie die konzeptionelle Trennung von beruflichen und aka-demischen Qualifikationen aufgelöst wird. Gerade angesichts der Herausforderungen, vor der die  Physiotherapie steht, so die hier vertretene These, ist dies keine Gefährdung der Akademisierung, sondern eine Hilfe, die in ihr liegenden Potenziale für die Physiotherapie auch zu realisieren.