Nullhypothese

Ein Begriff aus der Statistik.

Man stelle sich die Situation vor, dass in einer Studie zwei Gruppen unterschiedlich behandelt wurden (z.B. zwei ansonsten vergleichbare Gruppen von Hemiplegie-Patienten mit einer "klassischen Bobath"-Therapie einerseits und einer kombinierten Laufband/repetitives üben-Therapie andererseits).

Die therapeutischen Verbesserungen werden nach einem bestimmten Zeitraum verglichen. So erhält man zwei Messwertreihen (Differenzen vorher zu nachher Gruppe 1; Differenzen vorher zu nachher der Gruppe 2).

In der Abfolge von Denk- und Handlungsschritten beim statistischen Testen von Hypothesen wird nun in diesem Beispiel die Nullhypothese aufgestellt, dass sich die Messwertreihen nicht signifikant voneinander unterscheiden; mit anderen Worten: dass der Zufall als Verursacher der gemessenen Unterschiede zwischen den Gruppen nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden kann.

Mit noch anderen Worten und im beim Hypothesen-Testen angewandten mathematischen Modell gedacht: Dass beide Messwertreihen aus der gleichen Grundgesamtheit stammen; Nullhypothese = 0 Unterschied zwischen den Mittelwerten in der Grundgesamtheit).
Oder wieder übertragen auf die Wirklichkeit: Die unterschiedlichen Therapien haben keinen wirklich statistisch absicherungsfähigen Unterschied erbracht

Alle vier Formulierungen drücken das Gleiche aus, nur jeweils aus einer etwas anderen gedanklichen Perspektive.

Es entspricht den Konventionen der Statistik, dass man die Nullhypothese (die man in aller Regel "loswerden" möchte), erst dann ablehnen (verwerfen) darf, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass sie zutrifft, sehr klein ist (dies wird mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung ermittelt). Die Konvention verlangt eine Eintrittswahrscheinlichkeit für gefundene Unterschiede von 5% (p = 0,05) oder kleiner (p-Wert), bevor man die Nullhypothese ablehnen und die Alternativhypothese annehmen kann.

 

siehe auch: Alpha-Fehler, Alternativhypothese, p-Wert, Signifikanz, statistisch